Tour durch die Friedenauer Lesenacht am 18. August 2012

Südwest Passage Kultour:

Am 18. August 2012 findet von 18:00 bis 24:00 Uhr die Friedenauer Lesenacht statt.

Im Rahmen der Lesenacht biete ich eine Führung zu vier spannenden Stationen an: Wir spazieren dabei durch Friedenau mit seinen Villen und Jugendstil-Miethäusern und kommen vorbei an den Häusern von Günter Grass, Max Frisch, den Comedian Harmonists, Adam Kuckhoff und Georg Hermann.

Beginn 18:00 Uhr am Renée Sintenis-Platz

Beitrag: 25 € p.P. incl. Lesenacht-Eintritt

Wir besuchen 4 Stationen; beginnen mit Barbara Gantenbein und enden mit Poetry  Slam(

Verbindliche Anmeldung unter: T. 030. 850 72 025 (nur mit Angabe von Rückruf-Tel. möglich) / mail: petra.fritsche@freenet.de

 Das komplette Programm der Lesenacht:

Mit über 40 AutorInnen setzen wir diesmal das Erfolgsmodell vom letzten Jahr fort.

Außergewöhnliche Leseorte, an denen man Literatur nicht unbedingt vermutet, die aber wiederum zum Lesestoff passen, machen die Geschichten lebendig. Es sind Plätze wie zum Beispiel ein Restaurierungs-Atelier oder eine Kaffee-Rösterei. In der 2. Lesenacht setzen wir den Fokus auf das Spiel mit der Sprache: Neben Lyrik und Romanen können Sie sich bei unserer Nacht auch auf Rap, Freestyle, Songtexte und Poetry Clips einlassen.

Neu im Programm sind eine Lyrikbühne in Kooperation mit dem Friedenauer Hochroth Verlag und die Lesebühne „Die Unerhörten“, die in der Kultur-Bar Noyman Miller gastieren. Zudem kommt spokenwordberlin mit einem mitreißenden Poetry Slam nach Friedenau!

Unsere Gebrauchsanweisung für die Nacht: Alle einzelnen AutorInnen lesen zweimal im Laufe des Abends jeweils zwanzig Minuten. So bleibt genügend Zeit, um als ZuhörerIn viele Lesungen zu besuchen.

Die Programmhefte erscheinen pünktlich zu unserer nächsten Veranstaltung: dem 1. Friedenauer Hock, am 2. Juni von 15 – 22 Uhr, Blankenberg-/Ecke Odenwaldstraße. Dort werden auch 10 Eintrittskarten zur Lesenacht als Preise vergeben! Ansonsten liegen die Programmhefte auf jeden Fall immer bei den Vorverkaufsstellen aus!

Veröffentlicht unter Friedenau | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Tag des offenen Denkmals 2012

In diesem Jahr finden die Tage des offenen Denkmals am 8. und 9. September (Samstag und Sonntag) statt.

Am Samstag spazieren wir durch die Villenkolonie Grunewald; am Sonntag durch die idyllische Landgemeinde Friedenau.

Anmelden zu den Führungen können Sie sich direkt bei mir. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen begrenzt. Bei Anmeldung erhalten Sie von mir Infos zum Treffpunkt.

 

 

 

 

Weitere Informationen finden sich hier: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/denkmaltag

 

Veröffentlicht unter Berlin, Friedenau, Grunewald | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Warum Steine putzen – und warum am 27. Januar?

Mitglieder der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße rückten an zum Stolpersteine-Putzen: In der Stierstraße in Friedenau liegen 54 Stolpersteine; die 10 x 10 cm großen Messingplatten glänzen in der Sonne. Das tun sie aber nur, wenn sie frisch verlegt – oder eben geputzt und poliert wurden. Da die Steine vor den Eingängen auf den
Bürgersteigen derjenigen Häuser liegen, in denen die deportierten und
ermordeten NS-Opfer wohnten, werden sie naturgemäß auch ziemlich schnell
unansehnlich. Sie sind der Witterung ausgesetzt. Regen und Schnee, herab fallendes
Laub und der übliche Schmutz, der die Gehwege bedeckt, tun ihr Werk.

Es ist also nicht damit getan, die Daten der Opfer, die später auf den Stolpersteinen eingraviert sind, zu recherchieren, die Steine anzumelden, zu bezahlen und schließlich eine würdige und schöne Übergabe der Steine an die Öffentlichkeit zu organisieren, Gäste
einzuladen, Reden zu halten. Anschließend müssen die Steine hin und wieder
geputzt und poliert werden, damit sie ihren Sinn erfüllen können, nämlich die
Anwohner und Passanten daran zu erinnern, wer hier wohnte, dann deportiert und
ermordet wurde.

Der 27. Januar ist ein passender Tag, hier tätig zu werden, denn es ist der internationale Gedenktag, der an den Holocaust erinnert. Am 27. Januar im Jahr 1944 hat die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit.

Also verabreden wir uns zum Putzen.
Diesmal sind wir Vier – bewaffnet mit Besen, Putz- und Poliermitteln und mit
weichen Tüchern, und wir haben Grund zur Freude: Zwei der Steine glänzen schon,
obwohl wir sie noch gar nicht geputzt haben. Das waren Schüler der Schule am
Perelsplatz, die diese beiden Stolpersteine unter ihre Obhut genommen haben und
pflegen. Wir danken Euch dafür! Vielleicht finden sich ja auch Bewohner in den
Häusern, vor denen die Stolpersteine liegen, die in Zukunft mal daran denken,
„ihre“ Stolpersteine zu pflegen?

Veröffentlicht unter Friedenau | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Bloß eine Sachbeschädigung?

Informations- und Gedenktafel der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße

Mittwochmittag, am 23. November musste ein Mitglied der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße entdecken, dass die Stolperstein-Info-Tafel zerstört worden ist. Die Tafel informierte mit Dokumenten und Fotos über die deportierten und ermordeten Juden, die in der Stierstraße wohnten sowie über die Arbeit der Initiativgruppe.

Erst am 21. Oktober wurden mit großer Anteilnahme von Nachbarn und Freunden 12 weitere Stolpersteine in der Stierstraße der Öffentlichkeit übergeben. Auch Großnichten und Enkel der ermordeten Menschen, derer gedacht wurde, waren aus Israel angereist und wohnten der Zeremonie bei. Es liegen nun 54 Stolpersteine in der Stierstraße, die übrigens fast immer blankgeputzt sind. Die Gedenktafel wurde von vielen Passanten beachtet, die Dokumente oft aufmerksam gelesen und diskutiert.

Die Polizeibeamten nahmen vor Ort die Anzeige auf und deklarierten die Zerstörung als Sachbeschädigung. Darum handelt es sich in der Tat, wahrscheinlich handelt es sich sogar um eine gemeinschädliche Sachbeschädigung im Sinne des § 304 StGB; und sie ist  zweifellos ein Statement. Es ist kein Zufall, dass die Tafel, die an die jüdischen Bewohner der Straße erinnert, der Zerstörung zum Opfer fiel – und nicht die in der Nähe stehenden Hinweiskästen der Philippusgemeinde und der Senioren-Freizeitstätte. Vielmehr handelt es sich hier um eine rechtsextremistische Handlung. Hierauf muss deutlich hingewiesen werden – gerade nach den jüngsten Erfahrungen, die wir in diesen Tagen machen mussten, als offenbar wurde, dass in Deutschland jahrelang Morde an Ausländern begangen wurden, ohne dass Polizei oder Verfassungsschutz Zusammenhänge zwischen den Morden bzw. deren rechtsradikale Gesinnung erkannten.

In der Stierstraße ist nur eine Info-Tafel zerstört worden, die an die Opfer des Faschismus erinnert – aber uns sollte klar sein, dass diese Tat rechtsradikaler Kräfte über eine Sachbeschädigung hinausgeht.

Stolperstein-Gedenk- und Informationstafel

Veröffentlicht unter Berlin | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Übergabe von vier Stolpersteinen an die Öffentlichkeit

Im Mai erhielt ich einen Anruf von Hans Schmal aufgrund einer Suchanzeige in der Zeitschrift Berlin aktuell. Da ich im Namen der  Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße, deren Mitglied ich bin, diese Anzeige aufgegeben hatte, wandte Hans Schmal sich an mich, in der Annahme, ich sei allgemein zuständig bzw. Ansprechpartnerin für Stolpersteine. Ich hatte Herrn Schmal deshalb die entsprechenden Vermittlungsstellen am Telefon genannt.
Danach beschlich mich allerdings das ungute Gefühl, hier ein Anliegen sozusagen
weitergereicht zu haben, weil ich ja nicht „zuständig“ war.  Also rief ich zurück – und daraus entwickelte sich eine rege Korrespondenz und viele intensive Gespräche am Telefon.

Meistens geht man auf der Suche nach den Lebensläufen der deportierten und ermordeten Juden in die Archive; in diesem Fall jedoch erhielt ich die meisten Informationen von Hans Schmal selbst; zum einen durch seine Schilderungen, wie er als kleiner Junge seine Großeltern erlebt hatte und vor allem aus seinem Buch über seine Familie, das er mir aus Israel schickte. Das Buch ist in Hebräisch geschrieben, und Hans und Rina Schmal erzählten mir am Telefon, wer auf den Fotos zu sehen ist und was die Verwandten erlebt haben bzw. erleiden mussten. Inzwischen ist ein Teil des Buches übersetzt, und Hans
Schmal schildert darin gleichfalls auch widerständige und mutige Taten und
Worte, die seinen Eltern das Leben erträglicher machten.

Wir befinden uns hier in einer Straße, die deutlich vom Krieg gezeichnet ist: Nur wenige Häuser sind in ihrer bürgerlichen Pracht erhalten, die meisten Häuser sind verschwunden und an ihrer Stelle sind gesichtslose Neubauten entstanden, so auch das Haus Nummer 7, in dem die Großeltern von Hans Schmal wohnten – Max und Minna Schmal, und ihre Tochter Edith und deren Mann Rudolph. Edith und Rudolph lebten nach ihrer Hochzeit seit Ende der dreißiger Jahre in der Fünf-Zimmer-Wohnung bei den Eltern, zudem wurden 3 weitere Untermieter zwangsweise einquartiert. Den jüdischen Bürgern wurde 1940 der Mieterschutz aberkannt, und die Nazis wiesen immer mehr Juden zu anderen Juden ein, was die Deportationen aus diesen dann sog. Judenwohnungen für die Gestapo vereinfachte. So wohnten nun 7 Erwachsene in der Wohnung, und die Tochter musste erleben, wie ihre Eltern 4 Monate, bevor sie selbst mit ihrem Mann deportiert wurde, abgeholt wurden. Max und Minna Schmal wurden nach Riga transportiert und unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Edith und Rudolf May wurden nach Auschwitz deportiert.

Hans Schmal war 1942 ein siebenjähriger Junge. In seinen Erinnerungen schreibt er:

„Die Trennung von meinen Großeltern sowie Tante Edith und Rudi May war schwer. Wir fuhren zu ihrem Haus in der Courbièrestraße. Wir saßen am Tisch und tranken etwas, redeten leise und schwiegen. Dann erhoben
wir uns und standen noch im Flur. Es war schwer, sich zu verabschieden. Ich begriff  die wahre Bedeutung dieses Abschieds nicht, nur, dass es traurig war.“
 

Heute vor 70 Jahren, am 18. Oktober 1941, verließ der erste Berliner „Osttransport“
mit 1.089 jüdischen Kindern, Frauen und Männern den Bahnhof Grunewald in
Richtung Ghetto Litzmannstadt. Der Berliner Senat und die Jüdische Gemeinde zu
Berlin haben heute Nachmittag mit einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung
am Denkmal „Gleis 17“ an den Beginn der nationalsozialistischen Deportationen aus Berlin erinnert. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, haben dort gesprochen.

Zu den etwa 60.000 Menschen, die von diesem Bahnhof in die Lager und Ghettos im Osten Europas deportiert wurden, gehörten auch Max und Minna Schmal und ihre Tochter Edith und deren Mann Rudolph. Wir gedenken ihrer hier, am Ort ihrer Deportation. Wir haben erst vor kurzer Zeit von ihnen erfahren, heute wissen wir etwas mehr über sie.

Wir trauern um sie – und wir danken Hans und Rina Schmal, dass sie heute hier
sind und wir unser Gedenken mit ihnen teilen dürfen.

Einladung

Veröffentlicht unter Berlin | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Der Straße wohnt die Vergangenheit inne

Übergabe der 12 Stolpersteine an die ÖffentlichkeitVor den Eingängen der Häuser auf diesem kurzen Abschnitt der
Stierstraße wurden seit dem Jahr 2005 42 Stolpersteine verlegt; heute kommen
weitere 12 Stolpersteine hinzu.

Wir befinden uns in einer Straße, die vom Krieg gezeichnet
ist, deren Häuser instand gesetzt und zum Teil auch restauriert wurden, die
auch Lücken in der Häuserzeile aufweist und vor deren Portalen die kleinen
glänzenden Messingplatten darauf hinweisen, dass in ihnen viele Juden wohnten –
zum Teil als Eigentümer der Miethäuser, als gutsituierte Bürger, Künstler, so
wie die anderen Bewohner damals auch.

Ab 1940 wurden viele Juden in Wohnungen anderer jüdischer
Mieter einquartiert und so „Judenhäuser und -wohnungen“ geschaffen. Juden
hatten kein Recht mehr auf eigene Wohnungen; ganze Familien mussten in ein
einziges Zimmer ziehen. Schließlich wurden diese Wohnungen mit einem Judenstern
versehen, so dass die Deportationen in die Konzentrationslager noch einfacher
zu bewerkstelligen waren.

Die Stierstraße in Friedenau ist – immer noch – eine schöne
ruhige Straße mit bürgerlichen, fünfgeschossigen Altbauten aus dem Anfang des
20. Jahrhunderts, als diese Bürgerhäuser die Landvillen ablösten. Im Zweiten
Weltkrieg wurden einige wenige Häuser so zerstört, dass die Ruinen abgerissen
wurden, die meisten Häuser blieben jedoch in ihrer Substanz erhalten, nur die
purifizierten Fassaden weisen auf die lieblosen Instandsetzungen hin, die die
Häuser nach dem Krieg erfuhren. Innen ist das großbürgerliche Gepräge meistens
erhalten, d.h. die Wohnräume sind hoch, die Wohnungen und die einzelnen Zimmer
geräumig; fast alle Wohnungen haben einen Balkon oder eine Loggia. Nur den
Fassaden fehlt der Stuck, die Ornamente, Friese und Gesimse.

Dieser Straße und diesen Häusern wohnt die Vergangenheit
inne; und genau darauf weisen die 54 Stolpersteine hin. Egal, ob wir die
Stolpersteine als Kunstwerk, als Mahnmal oder Geschichtsprojekt betrachten: Sie
erinnern uns an die Menschen, die unsere Nachbarn waren und auch daran, dass das
Grauen nicht erst in den Lagern begann, in die sie vor aller Augen deportiert
wurden, sondern hier, in dieser Straße.

Einladung und Programm

Veröffentlicht unter Berlin | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Einladung Stadtspaziergang am 29.10.2011 in Berlin

Veröffentlicht am von P. F. | Schreibe einen Kommentar

Stolperstein-Einweihung am 21.10.2011


12  Stolpersteine
in  der Stierstraße in Berlin-Friedenau
21. Oktober 2011 um 17:00 Uhr
vor der Philippuskirche (Stierstraße 17-19)

Der Künstler Gunter Demnig hat mit den Stolpersteinen eine Ausdrucksform gefunden, den deportierten und ermordeten Menschen ihren Namen zurückzugeben und ihrer an dem Ort zu gedenken, an dem sie vor ihrer Deportation wohnten.

Diese Stolpersteine sind für:

 Stierstraße 4 Marianne Haber
Jg. 1885
Deportiert 3.10.1942
Theresienstadt
Ermordet in
AuschwitzSidonie Haber
Geb. Freund
Jg. 1861
Deportiert 3.10.1942
Theresienstadt
Gestorben am 3.11.1942Elisabeth Löwenherz
Geb. Leyser
Jg. 1887
Deportiert 25.1.1942
Ermordet in Riga

Stierstraße 5

Dr. Egon Landsberger
Jg. 1896
Fluchtversuch
verhaftet 1.6.1940
Sachsenhausen
Deportiert 6.9.1940
Ermordet am 30.1.1941
in Dachau

Stierstraße 18 Bertha Liepmann
Jg. 1888
Deportiert 13.6.1942
Ermordet in Sobibor

Stierstraße 19Jenny Grünfeld
Jg. 1877
Deportiert 3.10.1942
TheresienstadtElla Grünfeld
Jg. 1875
Deportiert 3.10.1942
Theresienstadt
Gestorben 18.5.1943

Stierstraße 20

 Johanna Galewski
Geb. Cohn
Jg. 1873
Deportiert 23.7.1942
Theresienstadt
Ermordet in Treblinka

 

Stierstraße 21 Martha Gottberg
Geb. Mansfeld
Jg. 1886
Deportiert 2.3.1943
Ermordet in AuschwitzJulius Herrmann
Jg. 1858
Deportiert 6.7.1942
Theresienstadt
Gestorben am 1.1.1943Frieda Herrmann
Geb. Levy
Jg. 1863
Deportiert 6.7.1942
Theresienstadt
Gestorben am 17.7.1942

Paul Löwe
Jg. 1868
Deportiert 23.9.1942
Theresienstadt
Gestorben am 11.1.1943
 

 

 

Übergabe von 12 Stolpersteinen an die Öffentlichkeit

21. Oktober 2011, 17:00 Uhr

Violine

Verena Färber

Begrüßung und Anmerkungen zu Stolpersteinen

Ingrid Schmidt

Bürgerengagement

Dr. Sibyll Klotz

Stadträtin für Gesundheit und Soziales

Der Straße wohnt die Vergangenheit inne
Die Lebensläufe, von denen wir berichten

Petra T. Fritsche

Violine

Verena Färber

Spuren der Biografien

gelesen von Mitgliedern der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße

Shalom

Judith Siegmann

Haifa, Israel

Begleitung der Gäste zu den Stolpersteinen
Gedenkminuten, Stille

 Beisammensein
voraussichtlich im Seminarraum der Kirche

Organisation: Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße:
Ute Cremer, Petra T. Fritsche, Ina-Marie Gorgis, Ernst Karbe, Gregor Mann, Sigrun Marks, Wolfgang Meckel, Helmuth Pohren-Hartmann, Lisa Reineke, Ingrid Schmidt, Gerdi Steinhilber

So war’s: zur Veranstaltung

Veröffentlicht unter Berlin, Friedenau, Schöneberg | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Einladung zur Stolpersteinverlegung am 18.10.2011

Einladung zur Stolpersteinverlegung am 18.10.11 in Berlin

 4 Stolpersteine

in der Courbièrestraße 7 in Berlin-Schöneberg

Dienstag, 18. Oktober 2011 um 17:00 Uhr

So war’s: Zur Veranstaltung

Veröffentlicht unter Berlin, Friedenau, Schöneberg | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Spaziergang mit ISB-Stipendiaten

Die Villenkolonie Grunewald:

Spazierend haben wir uns erinnert – der Schönen und Reichen, der Verfemten und der Widerstandskämpfer, indem wir ihre Villen und Landhäuser besuchten:

Die Bewohner

Die Gesellschaft der Villenkolonie im damals „neuen Westen“ des ausgehenden 19. und der ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts tendierte zu einer „geschlossenen Gesellschaft”, mit entsprechenden Soireen, Teegesellschaften und Festen.
Die Bewohner dieser vornehmen Gemeinde entstammten ausschließlich besten Kreisen, so die Inhaber der Druckimperien Ullstein und Fischer, Bankiers wie Carl Fürstenberg oder Erich Goldschmidt, die AEG-Familie Rathenau sowie die wichtigsten Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft und Kultur, so Lion Feuchtwanger, Vicki Baum, Friedrich Wilhelm Murnau, Maximilian Harden …

Die Bankiers Franz und Robert Mendelssohn, Nachkommen Moses Mendelssohns, unterhielten Villen am Herthasee, die zum Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens wurden; besonders die Musikabende bei Franz von Mendelssohn hatten einen legendären Ruf. Hier konnte man auch Albert Einstein Geige spielen hören! Am Privatunterricht im Mendelssohn-Palais nahmen auch die Kinder benachbarter Familien, wie die von Samuel Fischer und Werner Sombart teil. Der Bankier Felix Koenigs, erster Besitzer eines Grundstücks an der nach ihm benannten Grunewalder Allee, förderte viele Künstler der „Sezession” und ihre Ausstellungsprojekte.
Walter Leistikow und Lovis Corinth waren befreundet mit Gerhart Hauptmann, der einige Jahre in der Trabener Straße wohnte und dessen Werke von Samuel Fischer verlegt wurden. Dessen Kinder spielten mit denen Engelbert Humperdincks; dieser schrieb Schauspielmusik für Max Reinhardts Inszenierungen; Förderer und Geldgeber von Max Reinhardt war der Bankier Fritz Andreae, dem Schwager von Walther Rathenau…

Fast 40% der Grunewald-Bewohner waren jüdischer Herkunft. Spätestens als Hitler 1933 Kanzler wurde, war die ernstliche Gefahr für Juden durch den Nationalsozialismus Realität geworden. Wichtige NS-Einrichtungen und Nazis bezogen den Grunewald: Himmler wohnte in der Hagenstraße 22, das Mendelssohn-Palais in der Bis-marckallee wurde „Reichsgästevilla”, in der ehemaligen Wertheim-Villa in der Richard-Strauß-Straße/Ecke Furtwängler Straße wurde eine Gestapo-Dienststelle untergebracht, in die Villa Maximilian von Hardens zog die „Deutsche Arbeitsfront“. Viele Alteingesessene versuchten, dies zu ignorieren.

Viele jüdische Bewohner konnten emigrieren; andere wurden umgebracht oder in den Selbstmord getrieben. Viele nichtjüdische Bewohner zogen sich in die innere Emigration zurück, doch einige wurden zu Widerstandskämpfern. Einige Mitglieder des bürgerlichen und militärischen Widerstands waren durch familiäre oder berufliche Beziehungen verbunden, so dass diese Zirkel relativ geschützt waren vor Gestapo-Spitzeln. Dietrich und Klaus Bonhoeffer wohnten in der Wangenheimstraße 14 (Eine Gedenktafel am Haus weist darauf hin). Die Familie des Physikers Max Planck lebte ganz in der Nähe in der Wangenheimstraße 21. Die Bonhoeffers waren mit den Geschwistern Dohnanyi befreundet; Hans von Dohnanyi besuchte das Grunewald-Gymnasium und heiratete Christine Bonhoeffer. Klaus Bonhoeffer war eng mit Justus Delbrück befreundet und heiratete dessen Schwester Emmi. Die Delbrücks lebten in der Kunz-Buntschuh-Straße 4. In der Paulsborner Straße 50 lebte Bernhard Klamroth, der engste Mitarbeiter von Berthold Graf Schenk von Stauffenberg (dem Bruder von Claus Graf Schenk von Stauffenberg), der ebenfalls am Attentat vom 20. Juli 44 beteiligt war.
Zu den älteren Widerstandskämpfern gehörten der Diplomat Otto Kiep und General Georg Thomas, die beide in der Taubertstraße wohnten sowie Generalfeldmarschall Eugen von Witzleben (Lassenstraße 19/21). General Franz Halder wohnte in der Kronberger Straße 12, der Chirurg Ferdinand Sauerbruch in der Herthastraße 11 und Admiral Wilhelm Canaris in der Douglasstraße 7-9.

Otto Kiep wurde bereits im Januar 1943 verhaftet und nach dem misslungenen Attentat vom Juli 44 im August 44 in Plötzensee hingerichtet, ebenso wie Eugen von Witzleben. Wilhelm Canaris und Dietrich Bonhoeffer wurden am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet, Hans von Dohnanyi am 8. April im Konzentrationslager Sachsenhausen. Justus Delbrück überlebte das Kriegsende, wurde jedoch einige Tage nach seiner Befreiung im Mai 1945 von der sowjetischen Geheimpolizei abgeholt und starb kurz darauf in russischer Gefangenschaft.

Die Architektur

Die Grundstückspreise waren von Beginn an extrem hoch (auch weil nur sehr große Grundstücke erworben werden konnten; die Mindestgröße einer Parzelle betrug 1.300 qm), die höchstens dreistöckigen Gebäude waren rundum mit Schmuckfassaden zu versehen, die den „ländlichen Charakter” des Grunewalds zu unterstreichen hatten. Gewerbliche Nutzung war nicht erlaubt. Neben der Bindung an den Bebauungsplan gab die Kurfürstendammgesellschaft die Auflagen für diese landhausmäßige Bebauung vor.

Durch palastartige Villenanlagen rund um die Seen hielt auch die künstlerische Landschaftsplanung Einzug in diesen Bereich. Landschaftsgärten sind durch die nachträglichen Parzellierungen kaum noch erhalten oder unzugänglich.

Vor allem auf den großen Grundstücken an den Seeufern, aber auch auf den Eckgrundstücken und zusammengefassten, nebeneinander liegenden Parzellen wurden aufwendig gestaltete, repräsentative Großvillen mit mehreren hundert Quadratmetern Grundfläche errichtet. Die Glanzzeit der Grunewald-Villa waren die 90er Jahre: Sie trat hoch aus dem Boden heraus, hatte ein bewohntes Untergeschoss; daraus folgt, dass das Erdgeschoss etwa mannshoch über dem Boden erhoben war. Sie richtet ihre Fassade und die dahinter liegenden Hauptwohnräume zur Straße hin. Gleiches gilt für den Typ der Mietvilla, die von mehreren Haushalten bewohnt wurde.

Ein dritter Haustyp des Grunewalds ist das Landhaus: Es richtet seine Wohnseite zum Garten und zur Sonne, ist „breiter” gelagert, womit die Verbundenheit zur gärtnerischen Umgebung betont wird. Innen löst Behaglichkeit und Bequemlichkeit die Repräsentation der Stadtwohnung bzw. der Villa ab.

Viele Motive dieser Landvillen sind Gebirgsgegenden entlehnt (Schwarzwald, Schweiz). Ihre Elemente sind: Fachwerk, Giebel, Erker, Dachausbauten. Innen waren die Häuser mit Stuck-, Holz- und Malereidekor ausgestattet. Erneuerer der Landhausbewegung war Hermann Muthesius, der sich von 1896 – 1903 in Eng-land aufhielt und von dort die Reformbewegung im Landhausbau übernahm. Die bekannteren Grunewald-Architekten sind Alfred Messel, Otto March, Walter Muthesius, Ernst Ihne, Adolf Wollenberg oder Breslauer & Salinger. Bald nach der Jahrhundertwende wendete man sich von Historismus und Eklektizismus ab und belebte klassizistische Tendenzen (verbunden oft mit einer Monumentalisierung der Baugestalt). Hier trat dezenteres, antikisches Dekor in den Vordergrund. Es folgte die sogenannte Andere Moderne – ein gemäßigter Übergang zur Avantgarde der zwanziger Jahre.

Veröffentlicht unter Grunewald | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar