Stadterkundung in der Villenkolonie Grunewald – rund um das Wissenschaftskolleg zu Berlin

Am 12. November 2010 und am 11. November 2011 wurden die Fellows des Wissenschaftskollegs zu Berlin durch die Straßen der unmittelbaren Nachbarschaft geführt. Die Gebäude des Kollegs selbst sind typische Beispiele für die Architektur des Grunewalds und die Schicksale der Bauherren – und ihrer Villen.
Die erste Frage war: Was bedeutet das Medaillon über der Tür des Haupteingangs der Wallotstraße 19?

Fotos und Erläuterungen zu Häusern und Bewohnern können Sie hier als PDF-Datei herunterladen (7,5MB)

Veröffentlicht unter Berlin, Grunewald | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Spaziergänge Grunewald

Die Villen im Grunewald erinnern uns auch heute noch an ihre berühmten Bewohner:

Künstler, Banker, Täter, Opfer, Widerstandskämpfer

Die Stadtspaziergänge bieten vielfältige architektonische Eindrücke und erinnern an eine Bewohnerschaft, deren Lebensart und Lebensgeschichte dazu beitrug, dass Berlin tatsächlich einmal Kulturmetropole war. Hatten zunächst von der Gründung der Villenkolonie 1889 bis in die zwanziger Jahre die Reichen und die Schönen der Kunst und des Kapitals das Leben hier geprägt, so waren es später (auch) die Nationalsozialisten und deren Opfer sowie Oppositionelle und Widerstandskämpfer.

Die Villenkolonie Grunewald war bourgeoises Terrain, wo sich der neue Reichtum der Bankiers und Industriellen in den typischen Bauten des Grunewalds: den Landhäusern und Grunewald-Villen widerspiegelte.

Neugierig geworden? Weiterlesen? Hier geht es weiter: Grunewalds Bewohner, Grunewalds Architektur, Grunewalds Architekten

Veröffentlicht unter Berlin, Grunewald | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Gunter Demnig und sein Projekt „Stolpersteine“

Am 23.09.2010 wurde die folgende Ausstellung eröffnet:

Gunter Demnig und sein Projekt „Stolpersteine“ in Tempelhof-Schöneberg

Am 13. Oktober sprechen im Rahmen der diese Ausstellung begleitenden Veranstaltungen Mitglieder einiger Stolperstein-Initiativgruppen über die Menschen, für die Stolpersteine verlegt wurden. Kommt doch vorbei und schaut erst die Ausstellung an und nehmt dann teil an dem Gespräch. Auch ich werde zwei Menschen vorstellen, für die in der Stierstraße Stolpersteine gelegt wurden:

Foto von 2 "Stolpersteinen"Nähere Informationen:
Mittwoch 13.10. 2010 um 19 Uhr
in der Verwaltungsbücherei, 1. Etage, Rathaus Schöneberg
Die Menschen hinter den Steinen

Vorträge und Diskussionen mit Vertretern von Stolperstein-Initiativen

Zu den Präsentationen zu Minna und Ruben Riesenburger und zu Stanislaus Graf von Nayhauss-Cormons

Veröffentlicht unter Berlin, Friedenau, Schöneberg | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar

Stolpersteine vor der Stierstraße 20

Für Minna und Ruben Riesenburger wurden am 21. September 2009
vor der Stierstraße 20 Stolpersteine verlegt:Anlässlich der seit dem 23.09.2010 eröffneten Dauerausstellung im Rathaus Schöneberg werden am 13.10. u.a. Minna undRuben Riesenburger vorgestellt.

Veröffentlicht unter Berlin, Friedenau, Schöneberg | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar

Stolperstein vor der Stierstraße 4

Am 7. März 1933 überfielen 8 SS-Männer die Familie Nayhauss-Cormons in der Stierstraße 4 und durchsuchten die Wohnung nach Stanislaus Graf von Nayhauss-Cormons – ohne Erfolg. Die Nazis suchten ihn, weil er die Broschüre Führer des Dritten Reichs verfasst hatte, in der er verschiedene Mitglieder der NSDAP als kriminell und korrupt beschrieb.

Am 26. Juni wurde Stanislaus von Nayhauss-Cormons in Breslau von der Polizei in „Schutzhaft“ genommen und bestialisch ermordet. Er wurde – an Händen und Füßen gefesselt und mit einem Stein beschwert – aus einem Teich geborgen.

Veröffentlicht unter Friedenau, Schöneberg | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar

Friedenau: Eine idyllische Landgemeinde in Schöneberg

Architektur der – vorigen – Jahrhundertwende
Villen der Rohbauern und Putzbauern
Jugendstilmiethäuser der Bourgeoisie

und

Erinnerung an die Bewohner

Künstler: Günter Grass, Karl Schmidt-Rottluff, Max Herrmann-Neiße, Hanna Höch …

Widerstandskämpfer der Roten Kapelle

Die Villenkolonie Friedenau wurde auf 550 Morgen Land des Ritterguts Deutsch-Wilmersdorf im Jahr  1874 gegründet. Die kleinen Villen der ersten Bewohner wurden in Ziegelrohbauweise erstellt; ihre Besitzer wurden daher im Volksmund Rohbauern genannt. Diejenigen, die ihre Villen verputzen ließen, hießen entsprechend Putzbauern. Beide Haustypen bestanden aus Keller-, Erd- und (meistens ausgebautem) Dachgeschoss und waren entsprechend bescheiden. Die Dekorationen mit Putzblenden, Formsteinen, hölzernem Sprengwerk und Klinkerbändern waren und sind allerdings originell.

Ab 1887 entstanden – wegen der ständig steigenden Einwohnerzahl – 5geschossige Miethäuser –  meistens reich dekoriert mit Elementen des Jugendstils, Klassizismus oder Expressionismus. Neuerungen der Großstadtarchitektur wie die Einküchenhäuser oder die Lichtgräben wurden hier erstmals gebaut.

Viele Villen, Bürgerhäuser und Gärten stehen unter Denkmalschutz und bieten auch heute gehobene Wohnkultur.

Veröffentlicht unter Berlin, Friedenau, Schöneberg | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar

Tag des offenen Denkmals 2010

Das Motto war diesmal:  Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr

Villenkolonie Grunewald:

Die Villen Pannwitz, Konschewski, Feuchtwanger, Rathenau und Kerr zeugen von ihren Bewohnern und Erbauern und zu welchen Reisen sie von den Nazis gezwungen wurden.

Künstler und Widerstandskämpfer in Friedenau:

Die Künstler Karl Schmitt-Rottluff, Max Herrmann-Neiße, die Widerstandskämpfer der Roten Kapelle und viele bürgerliche jüdische Bewohner mussten sich auf erzwungene Reisen begeben, weil man ihre Kunst und ihre Wissenschaft nicht wollte.

 

Trotz Begrenzung der Teilnehmerzahl auf je 15 und „Anmeldepflicht“ waren wir bei jedem der Spaziergänge ca. 45 Personen – was auch funktionierte, denn alle Gäste waren interessiert und rücksichtsvoll.

Veröffentlicht unter Berlin, Friedenau, Grunewald | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Grunewalds Architekten

1913 Breslauer & Salinger für Fritz Andreae

1913 Breslauer & Salinger für Fritz Andreae

Ebenso wie viele Bauherren in der Villenkolonie Grunewald Juden waren, waren es auch die Architekten:

Das Architekturbüro Breslauer & Salinger baute für den Verleger Louis Ullstein ein geräumiges Landhaus oder für den Bankier Fritz Andreae eine Villa im Stil der italienischen Renaissance. Paul Salinger starb am 26.11.42 in Theresienstadt. Alfred Breslauer konnte in die Schweiz flüchten.

Oskar Kaufmann 1922 für Prof. Max Epstein

Oskar Kaufmann 1922 für Prof. Max Epstein

Oskar Kaufmann,der Theater-Architekt, der das Hebbeltheater und die Volksbühne entwarf, baute im Grunewald schlossartige Anwesen wie das Haus Konschewski und das elegante Landhaus für Professor Max Epstein. Oskar Kaufmann floh mit seiner Frau nach Palästina und errichtete den Theaterbau Habima in Tel Aviv. Er ging nach Budapest, wo er ebenfalls verfolgt wurde und starb dort im September 1956.

Heinz Reifenberg 1927 für Walter Kristeller

Heinz Reifenberg 1927 für Walter Kristeller

Heinz Reifenberg baute für den Konfektionär Walter Kristeller eine der modernsten Landvillen. Heinz Reifenberg flüchtete mit seiner Frau, der Berliner Schriftstellerin Gabriele Tergit und seinem Sohn über Prag nach Palästina und lebte in Tel Aviv. U.a. konnte er ein Gebäude der Jerusalemer Universität bauen. 1938 emigrierte er nach London und starb dort 1968.

Haus Harteneck von Adolf Wollenberg, 1911

Haus Harteneck von Adolf Wollenberg, 1911

Adolf Wollenberg schuf für Bankiers und Industrielle die repräsentativsten Paläste im Stil des Klassizismus und der Renaissance. Der Haus-, Garten- und Innenarchitekt Adolf Wollenberg konnte sich nach England retten, wo er 1951 starb.

Veröffentlicht unter Berlin, Grunewald | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar

Grunewalds Architektur

Die Grundstückspreise waren von Beginn an extrem hoch (auch weil nur sehr große Grundstücke erworben werden konnten; die Mindestgröße einer Parzelle betrug 1.300 qm), die höchstens dreistöckigen Gebäude waren rundum mit Schmuckfassaden zu versehen, die den „ländlichen Charakter” des Grunewalds zu unterstreichen hatten. Gewerbliche Nutzung war nicht erlaubt. Neben der Bindung an den Bebauungsplan gab die Kurfürstendammgesellschaft die Auflagen für diese landhausmäßige Bebauung vor.

Durch palastartige Villenanlagen rund um die Seen hielt auch die künstlerische Landschaftsplanung Einzug in diesen Bereich.

Vor allem auf den großen Grundstücken an den Seeufern, aber auch auf den Eckgrundstücken und zusammengefassten, nebeneinanderliegenden Parzellen wurden aufwendig gestaltete, repräsentative Großvillen mit mehreren hundert Quadratmetern Grundfläche errichtet.

Die Glanzzeit der Grunewald-Villa waren die 90er Jahre: Sie trat hoch aus dem Boden heraus, hatte ein bewohntes Untergeschoss; daraus folgt, dass das Erdgeschoss etwa mannshoch über dem Boden erhoben war. Sie richtet ihre Fassade und die dahinter liegenden Hauptwohnräume zur Straße hin. Gleiches gilt für den Typ der Mietvilla, die von mehreren Haushalten bewohnt wurde.

Ein dritter Haustyp des Grunewalds ist das Landhaus: Es richtet seine Wohnseite zum Garten und zur Sonne, ist „breiter” gelagert, womit die Verbundenheit zur gärtnerischen Umgebung betont wird. Innen löst Behaglichkeit und Bequemlichkeit die Repräsentation der Stadtwohnung bzw. der Villa ab.

Viele Motive dieser Landvillen sind Gebirgsgegenden entlehnt (Schwarzwald, Schweiz). Ihre Elemente sind: Fachwerk, Giebel, Erker, Dachausbauten. Innen waren die Häuser mit Stuck-, Holz- und Malereidekor ausgestattet. Erneuerer der Landhausbewegung war Hermann Muthesius, der sich von 1896 – 1903 in England aufhielt und von dort die Reformbewegung im Landhausbau übernahm.
Bald nach der Jahrhundertwende wendete man sich von Historismus und Eklektizismus ab und belebte klassizistische Tendenzen (verbunden oft mit einer Monumentalisierung der Baugestalt). Hier trat dezenteres, antikisches Dekor in den Vordergrund. Es folgte die sogenannte Andere Moderne – ein gemäßigter Übergang zur Avantgarde der zwanziger Jahre.

Das Spektrum der Grunewald-Bauten reicht von deutscher und italienischer Renaissance bis zur konservativen Moderne.

Eine vollständige Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Grunewald findet sich u.a. bei Wikipedia.

Veröffentlicht unter Berlin, Grunewald | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Grunewalds Bewohner

Die Villenkolonie im damals „neuen Westen“ tendierte zu einer „geschlossenen Gesellschaft”, mit entsprechenden Soireen, Teegesellschaften und Festen. Die Bewohner dieser vornehmen Villenkolonie entstammten ausschließlich besten Kreisen, so die Inhaber der Druckimperien Ullstein und Fischer, Bankiers wie Carl Fürstenberg oder Erich Goldschmidt, die AEG-Familie Rathenau sowie die wichtigsten Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft und Kultur (Lion Feuchtwanger, Vicki Baum, Friedrich Wilhelm Murnau, Maximilian Harden, Max Reinhardt …).

Ein weiterer Vorteil für die Bewohner der Kolonie war deren Überschaubarkeit: Auf ein paar Quadratkilometern siedelte sich an, wer in der Metropole Rang und Namen hatte.
Die Bankiers Franz und Robert Mendelssohn, in sechster Generation Bankiers und Nachkommen Moses Mendelssohns, unterhielten Villen am Herthasee, die zum Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens wurden; besonders die Musikabende bei Franz von Mendelssohn hatten einen legendären Ruf. Hier konnte man auch Albert Einstein Geige spielen hören! Am Privatunterricht im Mendelssohn-Palais nahmen auch die Kinder benachbarter Familien, wie die von Samuel Fischer und Werner Sombart teil.
Der Bankier Felix Koenigs, erster Besitzer eines Grundstücks an der nach ihm benannten Grunewalder Koenigsallee, förderte viele Künstler der „Sezession” und ihre Ausstellungsprojekte.

1898 wurde diese Künstlergemeinschaft von Max Liebermann und Walter Leistikow gegründet, um sich Ausstellungsmöglichkeiten zu verschaffen, die ihnen der akademisch-etablierte Kunstbetrieb verwehrte. Wenige Jahre später war deren „Rinnsteinkunst”, wie sie von Kaiser Wilhelm II genannt wurde, etabliert, bis sie von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst” bezeichnet wurde.
Walter Leistikow und Lovis Corinth waren befreundet mit Gerhart Hauptmann, der einige Jahre in der Trabener Straße wohnte und dessen Werke von Samuel Fischer verlegt wurden. Dessen Kinder spielten mit denen Engelbert Humperdincks; dieser schrieb Schauspielmusik für Max Reinhardts Inszenierungen; Förderer und Geldgeber von Max Reinhardt war der Bankier Fritz Andreae, dem Schwager von Walther Rathenau…

Spätestens als Hitler 1933 Kanzler wurde, war die ernstliche Gefahr für Juden durch den Nationalsozialismus Realität geworden. Wichtige NS-Einrichtungen und Nazis bezogen den Grunewald: Himmler wohnte in der Hagenstraße 22, das Mendelssohn-Palais in der Bismarckallee wurde „Reichsgästevilla”, in der ehemaligen Wertheim-Villa in der Richard-Strauß-Straße/Ecke Furtwängler Straße wurde eine Gestapo-Dienststelle untergebracht, in die Villa Maximilian von Hardens zog die „Deutsche Arbeitsfront“.

Viele jüdische Bewohner konnten emigrieren; andere wurden umgebracht oder in den Selbstmord getrieben. Viele nichtjüdische Bewohner zogen sich in die innere Emigration zurück, doch einige wurden zu Widerstandskämpfern. Einige Mitglieder des bürgerlichen und militärischen Widerstands waren durch familiäre oder berufliche Beziehungen verbunden, so dass diese Zirkel relativ geschützt waren vor Gestapo-Spitzeln. Dietrich und Klaus Bonhoeffer wohnten in der Wangenheimstraße 14 (Eine Gedenktafel am Haus weist darauf hin). Die Familie des Physikers Max Planck lebte ganz in der Nähe in der Wangenheimstraße 21. Die Bonhoeffers waren mit den Geschwistern Dohnanyi befreundet; Hans von Dohnanyi besuchte das Grunewald-Gymnasium und heiratete Christine Bonhoeffer. Klaus Bonhoeffer war eng mit Justus Delbrück befreundet und heiratete dessen Schwester Emmi. Die Delbrücks lebten in der Kunz-Buntschuh-Straße 4.

Zu den älteren Widerstandskämpfern gehörten der Diplomat Otto Kiep und General Georg Thomas, die beide in der Taubertstraße wohnten sowie Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben (Lassenstraße 19/21). General Franz Halder wohnte in der Kronberger Straße 12, der Chirurg Ferdinand Sauerbruch in der Herthastraße 11 und Admiral Wilhelm Canaris in der Douglasstraße 7-9.
Otto Kiep wurde bereits im Januar 1943 verhaftet und nach dem misslungenen Attentat vom Juli 44 im August 44 in Plötzensee hingerichtet, ebenso wie Eugen von Witzleben. Wilhelm Canaris und Dietrich Bonhoeffer wurden am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet, Hans von Dohnanyi am 8. April im Konzentrationslager Sachsenhausen. Justus Delbrück überlebte das Kriegsende, wurde jedoch einige Tage nach seiner Befreiung im Mai 1945 von der sowjetischen Geheimpolizei abgeholt und starb kurz darauf in russischer Gefangenschaft.

Weitere prominente Bewohner: siehe entsprechender Abschnitt des Wikipedia-Artikels zu Berlin-Grunewald

Veröffentlicht unter Berlin, Grunewald | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar